Softwareprojekte richtig zu managen, ist eine Kunst für sich. Tom DeMarco zeigt im Buch “Der Termin” auf, wie ein Projekt trotz der zahlreichen Stolpersteine – die einem Projektmanager von der Konzeption bis zum Abschluss in den Weg gelegt werden – erfolgreich abgeschlossen werden kann.
Der Roman beschreibt aus der Ich-Perspektive die Erlebnisse des kürzlich entlassenen Systemmanagers Webster Tompkins. Dieser wird von einer attraktiven Geheimagentin zu Beginn der Handlung in das fiktive postkommunistische Land Morovien entführt. Dort macht man Tompkins ein Angebot: Er soll die Entwicklung von sechs Softwareprojekten parallel managen. Zudem schenkt man ihm ein Tagebuch, in dem er seine gewonnenen Erkenntnisse sammelt. Diese über 100 Ratschläge beruhen auf DeMarcos Erfahrung im Bereich des Projektmanagements und sind im Anhang dieser Zusammenfassung aufgelistet.
Tompkins wird verschleppt. Hinter der Entführung steht der EFN (der Edle Führer der Nation), ein ehemaliger Softwaremagnat, der sich nun eine neue Herausforderung sucht und dafür ein ganzes Land kauft, um dessen IT-Sektor an die Weltspitze zu befördern – und dafür braucht er Tompkins.
Die Aufgaben, die dem Protagonisten gestellt wird, klingen anfangs nicht wie plumpe Erpressung, sondern eher verlockend: Ein grosser Pool qualifizierter Mitarbeiter, unbegrenzte finanzielle Mittel sowie die völlige Freiheit bei der Zeitplanung. Zudem erhält er weitreichende Entscheidungsfreiheit. Von solchen Bedingungen träumt jeder Projektmanager. Tompkins teilt daraufhin seine Mannschaft in jeweils drei Teams pro Produkt auf. Durch unterschiedliche Teamgrössen und Entwicklungsmethoden möchte er die Gelegenheit nutzen und neue Erkenntnisse über Managementmethoden erhalten. Er selbst nennt es das “Projektmanagement-Labor”. Dass die traumhaften Bedingungen von kurzer Dauer sind, dürfte auch Nichtexperten nicht verwundern.
Auf seinem Weg zum Ende des Projekts muss Tompkins auch zahlreiche kleine und grosse Probleme lösen. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Widrigkeiten und deren Lösungs-Methoden beim Managen von Menschen und Teams, Methoden für die optimale Projektplanung sowie Prozessoptimierung.
Im Buch werden keine Informationen zum Thema Konfigurationsmanagement oder Produktabnahme erwähnt. Zudem ist der Teil für den Projektabschluss im Vergleich zu den anderen Abschnitten kurz gehalten. Der Fokus liegt bewusst beim Personal- und Prozessmanagement. Persönlich empfehle ich dieses Buch jenen, die im Alltag mit Projekten oder allgemein mit dem Projektmanagement konfrontiert werden.
Nachfolgend sind sämtliche Erfahrungen von DeMarcos aufgelistet:
Vertrauen heisst auf Latein „credere“, das Ursprungswort unseres Kredits. Die Welt gibt Kredite nur an Besitzende – Muhammad Yunus mit seiner Bank für die Armen nur an Besitzlose. Die Welt vertraut in Gelddingen nur Menschen, die bereits Geld haben – der Friedensnobelpreisträger schenkt jenen Menschen volles Vertrauen, die nichts haben, und setzt damit bei ihnen eine erstaunliche Kreativität frei. Der Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch machte das radikale Querdenken zugunsten der Schwächsten der Welt zum erfolgreichen Modell eines neuen Sozialunternehmertums. Dank seiner Pionierleistung wurden bislang weltweit mehr als 100 Millionen Mittellose, vor allem Frauen, zu Unternehmern. Yunus entschloss den Ärmsten den Zugang zu sozialer Absicherung, Strom und modernen Kommunikationsmitteln, kurz zu einem Leben der Hoffnung.
Yunus will verändern, viel verändern, daran lässt er keinen Zweifel. Und er will überzeugen. Er will klarmachen, dass Lösungen praktisch umsetzbar sind, die bisher undenkbar erscheinen. Dafür setzt er die Mittel scharfer intellektueller Logik ein, gepaart mit der Gestik partnerschaftlichen Lernens. Er setzt niemanden herab, sondern hört immer mit höchster Aufmerksamkeit zu, so als wollte er niemals irgendwo die Lernchance, die in jeder menschlichen Begegnung steckt, versäumen. Er ist nicht der Besserwisser. Aber er hört besser zu als die anderen. Und er pocht darauf, dass jeder Mensch dieselbe Achtsamkeit, dieselbe Qualität des Zuhörens verdient. Yunus ist der Überzeugung, dass ein Grossteil der heutigen Weltprobleme dadurch entstanden sind, dass wir eine Hierarchie des Zuhörens schufen, in der nur so geannte Experten wirklich zählen und sich Gehör verschaffen.
Wie kann man bis heute in den Vorlesungssälen ehrenwerter Universitäten und in den Berichten renommierter Finanzinstitutionen von „Trickle-down-Effekten“ sprechen, die angeblich den Ärmsten zugutekommen, wenn man die Reichen – zusätzlich zu ihren spektakulären Gewinnen – noch weiter mit der Verbesserung ihrer Rahmenbedingungen motiviert, während man gleichzeitig das Ausbeutungssystem der Zinspraxis schlicht ignoriert? Der Schock, der den Professor traf, war zweifach. Einmal musste er die Nutzlosigkeit der traditionellen Volkswirtschaftslehre für die Lebenssituation der Armen einsehen. Und dann folgte bei Yunus der Schock über die Ignoranz seiner Gelehrtenzunft gegenüber dieser hoffnungslosen Ausbeutungssituation, in der die Ärmsten gefangen waren. Dieser Schock wurde noch einmal gesteigert, als er durch eine simple Befragung der Betroffenen feststellte, wie wenig eigentlich erforderlich war, um diesen Mechanismus der Armut zu durchbrechen. Er beauftragte eine Studentin, herauszufinden, wie hoch der Kredit wäre, den die Dorfbewohner bräuchten, um sich aus den Fängen der Zwischenhändler und Geldverleiher zu befreien und sich die Rohstoffe für ihre Arbeit selbst zu kaufen. Die Studentin kam mit einer Namensliste von 42 Personen zurück, die in der Summe ganze 856 Taka bäruchten – den Gegenwert von 27 US-Dollar! So lächerlich gering war der Preis für den Ausweg aus dem Teufelskreis der Armut. Er entschloss sich, diese 27 Dollar mit der Massgabe zu verleihen, das die Kreditnehmer diese Darlehen zurückzahlen sollten, sobald sie dazu in der Lage waren.
Die erste grosse, ja vielleicht entscheidenede Erkenntnis für die Entwicklung des gesamten Grameen Konzeptes war: Arme Menschen verfügen zwar über keine dinglichen Sicherheiten, also keine Sicherheiten in Form von Gebäuden oder sonstigen Sachwerten, die sie zur Übereignung an die Bank anbieten können für den Fall, dass sie ihren Kredit nicht zurückzahlen können. Sie verfügen dafür aber über eine viel bessere Sicherheit: ihren schicksalserprobten Überlebenswillen. Für diese Menschen ist ein Kredit die vermutlich einzige Chance, die sie in ihrem Leben erhalten, um aus eigener Kraft einer ansonsten hoffnungslosen Situation zu entkommen.
Ein weiterer wichtiger Sicherheitsfaktor für die einzigartigen Rückzahlungsquoten der Grameen Bank erwies sich etwas Überraschendes: das Geschlecht. Die Erfahrungen zeigten, dass Männer bei sonst gleichen Rahmenbedingungen ihre Kredite zu 85 Prozent zurückzahlten. Die Frauen kamen auf nahezu 100 Prozent. Bei der Grameen Bank sind die Verhältnisse auf den Kopf gestellt: 94 Prozent der Kreditnehmer sind weiblichen Geschlechts. Und diese sind damit zum allergrösten Teil gleichzeitig auch die Inhaberinnen der Grameen Bank, denn diese gehört zu 94 Prozent den Ärmsten selbst (sechs Prozent müssen aus rechtlichen Gründen in Bangladesch beim Staat verbleiben).
In einem Interview wurde Yunus gefragt: ” Hatte Ihr Kleinkreditkonzept denn keine Feinde?” “Doch, alle”, antwortete Yunus mit einer selbstverständlichen, fast heiteren Ruhe, als wäre es das Normalste der Welt, dass man alle gegen sich hat, wenn man Neues und Innovatives umzusetzen versucht. Im Buch schilderte er dann, wie die Wucherer in Existenzängste verfielen, erzählte von ihren aggressiven Wutattacken, als es plötzlich viel billigere Kredite gab, er berichtete, wie die Männer um ihre Vormachtstellung bangten, als ihre Frauen sich plötzlich von Ängsten um die allgemeine Moral gepackt wurden, als die Frauen zunehmen mehr Selbstbewusstsein an den Tag legten, er machte klar, wie die Behöreden plötzlich allerlei Bedenken äusserten ob der vielen neuen Entwicklungen, die das Kleinkreditwesen anstiess, und wie sich schliesslich auch die Hilfswerke durch ein Konzept angegriffen fühlten, das soziale Probleme ausgerechnet durch Banking lösen wollte. Kurz gesagt: Alle waren dagegen.
Mit den Kleinkrediten befreit er die Ärmsten der Armen aus den Zwängen von Wucherern, fehlender Bildung und wirtschaftlicher Abhängigkeit. Dadurch schafft er eine langzeitige Entwicklungshilfe, aber nicht aus der Sicht einer Entwicklungsorganisation sondern aus der Sicht eines Sozialunternehmens. Mit der Grameen Bank hat er einen Weg gefunden, Millionen von armen Familien zu einer besseren Zukunft zu führen. Das Buch geht detailliert auf die Chancen und Problemen dieser Kleinkredite ein. Für mich ist das Buch etwas langatmig geschrieben, weshalb ich primär das Interview auf 3Sat empfehle.
Philosophie der Kreditgebung- Muhammad Yunus im Gespräch